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  • 7. August 2026

    Die Mutige: Nachruf auf Marija Runte (39A)

    Das Bild zeigt die Journalistin Marija Runte, auf Instagram bekannt unter dem Namen Mia Latkovic.

    Marija Runte hieß auf Instagram @mia.latkovic und schrieb dort durchdachte, kritische Texte, die manchen Menschen unangenehm waren, andere bei ihren Erfahrungen abholten, und die Themen behandelten, die vor ihr nicht viele Menschen und Medien aufgriffen. Sie machte sich stark gegen Diskriminierung, für Gerechtigkeit. Mutig und reflektiert.

    Marija war auf Instagram eine Stimme mit Gewicht, wenn es um Feminismus, Klassismus, Rassismus und Diskriminierung ging. Zeitweise hatte sie bis zu 40.000 Follower. In diesem Social-Media-Kanal, der eigentlich bekannt ist für schöne Bilder und Oberflächlichkeit, weniger für gute Texte und Qualitätsjournalismus, war Mia, wie wir in der 39. Lehrredaktion sie nannten, anders als der Durchschnitt.

    So richtig angefangen hatte Marijas Arbeit auf Instagram während der Bundestagswahl 2021. Mia hatte Fragen, die typischerweise Politikerinnen oder Frauen in Führungspositionen gestellt werden, an die Kanzlerkandidaten Armin Laschet und Olaf Scholz formuliert. Das las
    sich so: „Herr Laschet, wie würden Sie die Aufgaben als Kanzler mit der Familie vereinbaren?“ Oder: „Herr Scholz, auf Kritik reagieren Sie oft empfindlich. Sind Sie zu emotional für das Amt?“ Der Post ging viral, Mias Account wurde ab diesem Zeitpunkt bekannt und gehört. Sie war zu Gast in Podcasts, moderierte Symposien, Lesungen, schrieb ihren eigenen Newsletter und hatte Autorität in ihren Themen.

    Dieser journalistische Weg war bezeichnend für Mia. Sie war immer anders, auch an der DJS. In der 39A, ihrer Klasse, war sie eine von nur drei Frauen. Außerdem war sie damals eine der wenigen Schülerinnen und Schüler, die einen Migrationshintergrund hatte und deren Eltern keine Akademiker waren. In mehrfacher Hinsicht war sie damit eine Ausnahme. Dieses Anderssein prägte sie jedoch nicht erst während ihrer Ausbildung, sondern schon zuvor: in Stuttgart, wo sie geboren wurde, aufwuchs und das Gymnasium besuchte.

    Mias Zeit an der Deutschen Journalistenschule 

    An ihre Zeit an der Journalistenschule erinnerte sich Mia gern. Dort zählte vor allem eines: gut schreiben – mehr als alles andere. Und das konnte sie, insbesondere weil sie fein und präzise formulierte, sensibel beobachtete. Fähigkeiten, die sie in unterschiedlichen beruflichen Stationen immer brauchte; sei es bei SZ Familie, der ARD-Programmdirektion, als Ressortleiterin bei „Myself“, als Redakteurin der Cosmopolitan und als Autorin unter anderem für Zeit, Arte Magazin und SZ.

    Mia strahlte eine mutige Haltung aus, die sich von nichts und niemandem beeindrucken oder einschüchtern ließ. Eine Haltung, die sie ihr ganzes Leben begleiten sollte. Durch ihre journalistische Arbeit war sie auf Instagram auch häufig Anfeindungen und Drohungen ausgesetzt. Beirren und einschüchtern ließ sie sich nicht. Sie schrieb weiter. Der Flüchtigkeit von Instagram hätte sie so gerne in einem Buchprojekt Tiefe und Dauer gegeben, etwas hinterlassen, das bleibt. Dafür hatte sie vor zwei Jahren ihre Festanstellung gekündigt und wollte sich nur kurz vor dem Buch erholen. Verlage und Literaturagenturen klopften bereits an. Der Krebs hat ihr wie so vieles dieses Herzensprojekt genommen.

    Wenn wir an Mia denken, denken wir jedoch nicht zuerst an das, was sie beruflich erreicht hat. Wir denken an ihr Lachen, ihr Humor, ihre Klugheit, ihre Empathie für Anderssein und Andersfühlen. Über fast 26 Jahre hinweg hat uns das mit Mia verbunden.

    Am 14. Juli 2026 ist Marija, knapp zwei Wochen nach ihrem 47.  Geburtstag, nach schwerer Krankheit gestorben. Unser tiefes Mitgefühl gilt Alex, den Mia an ihrem ersten Tag in der 39A kennenlernte, ihren beiden Töchtern, ihren Eltern und ihren Schwestern.

    Text: Karline Wenzel und Katharina Ober, 39. Lehrredaktion

    Foto: Alexander Runte